Geschichte der Stollen

Die Umgebung der Stadt Český Krumlov (Böhmisch Krumau) kann auf eine reiche Geschichte des Bergbaus und eine Tradition der Förderung von Graphit, jedoch auch Silber und Gold zurückblicken. Graphit wurde hier bereits vor mehr als zweitausend Jahren gefördert und verarbeitet, indem die Kelten hieraus feuerfeste Keramikgefäße herstellten.

Die Anfänge der Silber- und Goldgewinnung können nicht eindeutig datiert werden, allerdings stammt die älteste erhaltene, urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 1475, als die Brüder Heinrich und Wok von Rosenberg fünf Erzförderern sog. Bergprivilegien verliehen. 

Den größten Aufschwung der Förderung von Edelmetallen erlebte die Stadt in den Jahren 1519 bis 1550, als in Krumau sogar eine Schmelzerei errichtet wurde.

Mit der Silbergewinnung hängt auch einer der hiesigen Stollen, der ursprüngliche Aufschlussstollen, zusammen. Wir können sie jedoch in die historische zeitliche Abfolge des Bergbaus in Krumau aufgrund fehlender Zeitdokumente nicht genau einordnen.

Bekannt ist jedoch, dass derselbe Aufschlussstollen den Deutschen im Zweiten Weltkrieg als provisorischer Schutzraum diente. Einige Jahre später wurde dann der Stollen zur idealen Umgebung für das Reifen des Blauschimmelkäses namens Niva.

Die Herstellung des Käses Niva leitete im Krumauer Milchbetrieb, den deutsche Bauern im Jahre 1942 in Betrieb nahmen, Andrej Charitonow. Seiner Herkunft nach Donkosak, leitete er während der Okkupation die Molkerei DELGE in České Budějovice (Böhmisch Budweis) und übernahm im März 1948 die Geschäftsführung der Krumauer Molkerei.

Bald darauf begann er, für die Molkerei ein festes Produktionsprogramm zu suchen, wobei er gemeinsam mit dem Schweizer Käsehersteller Otto Puchert die Herstellung von Schimmelkäse aufnahm. Ursprünglich reiften die Niva-Leibe in den Kellern in der Straße Rybářská ulice, die nach der Einstellung der Graphitgewinnung leer standen. Ab dem Jahre 1960 reifte dann der Niva-Käse in einem verlassenen Stollen in einem Felsmassiv unweit eines Betriebes, den die Molkerei von den Erzbergwerken übernommen hatte.

Im Jahre 1973 wurde die Projektdokumentation für die Erweiterung der Räumlichkeiten der ehemaligen Grubenschächte für die Erzeugung von Käse fertiggestellt. Ein Jahr später wurde mit den Arbeiten am Vortrieb des Stollens begonnen, jedoch zeigte sich, dass das Gestein nicht fest genug war, sodass von der Verwirklichung des Projektes Abstand genommen wurde.

Eine weitere Etappe begann im Juli 1976 an anderen Standorten, die durch eine geologische Erkundung als geeignet bestätigt wurden. Die Arbeiten begannen an jenem Ort, wo bis heute ein kleines, nicht renoviertes Häuschen steht, und dauerten von 1977 bis 1981 bei dem vollen Betrieb der Molkerei.

Das Vorantreiben der neuen Stollen führten Grubenbauspezialisten aus dem Werk Bližná des Unternehmens Rudné doly (Erzgruben) durch, wobei das Ergebnis ihrer Arbeit 690 Meter Stollen im Profil der Prager Metro waren, zu denen der ursprüngliche,  110 Meter lange Stollen hinzukam.

Die Stollen im Felsmassiv befinden sich in metamorphem Kalkstein, Marmor. Über der tiefsten Stelle liegt eine bis an die Oberfläche reichende, sechzig Meter starke Felsdecke, der Lüftungsstollen endet auf dem Hügel Ptáčník.

Der von blaugrünem Schimmel durchsetzte Käse reifte in den Kalksteinstollen bis zum Jahre 2005, als neue zweigeschossige, oberirdische Keller mit einer Jahreskapazität von 4 000 Tonnen Käse in Betrieb genommen wurden. Die Technologie gewährleistet für den Reifungsprozess des Käses eine konstante Temperatur und Raumfeuchtigkeit ohne jedwede Schwankungen, die den Krumauer Käseherstellern in den alten Stollen zuweilen große Sorgen bereitet hatten.

Ab dem Jahre 2005 blieben die Stollen leer. Vor zwei Jahren wurden anspruchsvolle Gruben-, Rekonstruktions-, Maurer- und weitere Arbeiten in Angriff genommen, in deren Ergebnis stellenweise die bis zur Unkenntlichkeit veränderten STOLLEN MADETA standen. Der Blauschimmelkäse Niva gehört nunmehr seit über sechzig Jahren zur Stadt Krumau, und auch wenn er hier nicht mehr reift, hat er dennoch wieder seinen Platz. Gemeinsam mit böhmischen und mährischen Qualitätsweinen in einem angenehmen Milieu, das auch der Kunst und den Musen zugutekommt.

Andrej Charitonov - der erste von links

 

1950 - Reifekeller in Rybářská Straße